Argentinien - 1000 Dollar - 26.03. - 12.04.2019

Distanz gefahren: 1985km
Übernachtungen im Nisto: 18 (3 Organisiert, 15 Frei)
Maximale Höhe: 2859müM bei S35 06.354 W70 08.361
Minimale Höhe: 407müM bei S41 53.165 W71 27.090
Maximale Geschwindigkeit: 93km/h

1000 Dollar Stellplätze

Einige treue Leser denken jetzt bestimmt, Moment mal, die Ruta 40, auf der wir uns aktuell befinden, sind sie doch bereits vor 9 Jahren gefahren und zwar von Mendoza nach Süden. Wieso noch einmal? Weil abseits dieser legendären Strasse noch so einige Naturschätze existieren von denen kein Reiseführer berichtet.

Mit grossen Schritten ging es an uns bereits "bekanntem", der Ruta de los Siete Lagos, dem Lago Huechulafquen mit schönem Blick auf den Vulkan Lanin, entlang und begaben uns nach dem Lago Alumine auf für uns neues Terrain. Wir wurden nicht enttäuscht. Araukarien gehörten seit unserer ersten Reise durch Südamerika zu unseren liebsten Bäumen. Damals sahen wir  jedoch immer nur vereinzelte oder kleinere Gruppen, diesmal durften wir durch ganze Wälder fahren und sogar am Rio Litran unter ihnen campieren. Auch erzählen die Gesteinsformationen in dieser Gegend ihre ganz eigenen Geschichten.

Unser nächstes Ziel war der Lago Caviahue mit Blick auf den Vulkan Copahue. Als wir den See erreichten, kurvten wir ein Bisschen an dessen Küste entlang, fanden aber partout kein Plätzchen welches uns zusagte, um unseren Plan ein paar Tage Pause einzulegen, umzusetzen. Schon etwas enttäuscht warfen wir erneut einen Blick auf die Karte und entdeckten eine kleine Lagune nicht weit von dieser entfernt. Wir mussten nicht lange überlegen und so standen wir 30 min später am Strand der Laguna Hualcupén und konnten unser Glück kaum fassen. Da war er, der 1000 Dollar Stellplatz, zwar noch besetzt von Tagesbesuchern, aber lange mussten wir nicht warten. Nur ein Auto blieb zurück. Egal, das stört nicht. Und so begannen drei herrliche Tage, die wir mit relaxen, im See planschen oder einfach nur da sitzen und über diese atemberaubende Gegend staunen, verbrachten. In diesem Tal wohnen ausschliesslich Mapuche (Menschen der Erde), wie sie sich selber nennen, ein Stamm der verschiedenen Ureinwohner Südamerikas.  Am ersten Tag um ca. 10 Uhr, wir hatten gerade unser Frühstück beendet, bekamen wir Besuch von einem Mapuche auf seinem Pferd. Wie sich herausstellte, lebte er auf der anderen Seeseite. Leider war der Bau einer Strasse zu seinem Hof fehlgeschlagen. So muss er nun, wenn er in die Stadt will, zuerst bis hierhin reiten um in sein Auto umzusteigen. Damit war auch das Rätsel des geparkten Autos geklärt. Er band sein Pferd an einen Baum in den Schatten, stieg in seinen alten Pickup und versuchte nun vorsichtig am Nisto vorbei zu lenken. Schnell wurde klar, in diesen Gegenden kommen die Menschen besser mit echten Pferdestärken zurecht.

Wenn es am Schönsten ist soll man ja bekanntlich gehen, also verabschiedeten wir uns am dritten Tag von einer unserer absoluten Lieblingslagunen und steuerten die nächsten Attraktionen dieser Gegend an. Der Rio Agrio stürzt auf seinem Weg ins Tal die eine oder andere Steinstufe hinunter, was wir uns natürlich anschauen wollten. Schnell die GPS-Daten eingegeben und schon konnte es losgehen. Natürlich nicht auf der auch zur Verfügung stehenden Asphaltstrasse, nein. Das Navi entschloss sich für den kürzeren "Querfeldein". Dafür war dieser Weg wahrscheinlich die schönere Strecke. Zurück am Lago Caviahue bzw. in dem gleichnamigen Städtchen gönnten wir uns mal wieder eine Pizza und checkten E-Mails und das Wetter, denn der Wind nahm von Stunde zu Stunde zu und blies den Sand nur so durch die Strassen. Die Vorhersage war gar nicht nach unserem Geschmack: Sturm, Regen und Schnee. Also machten wir uns auf den Weg in etwas tiefere Höhenlagen zu einem der schönsten Wasserfälle, die wir bisher gesehen hatten. Am Parkplatz angekommen, spienzelten wir nur kurz hinaus, denn es blies ein eisiger Wind. Wir verkrochen uns im Nisto und harrten der Dinge, die da kommen würden. Wie angekündigt nahm der Wind pünktlich um 19 Uhr noch an Fahrt zu. Uns blieb nichts anderes übrig, als das Dachzelt zu schliessen. Zu viert quetschten wir uns nun auf rd. 2.9 qm. Die Kinder fanden es super, bei uns Erwachsenen blieb die Begeisterung seltsamerweise aus. Der Wind rüttelte und schüttelte am Nisto, und wie vom Wetterbericht angekündigt setze der Regen ein. Da wird sich dort oben wohl jemand gedacht haben, wenn dann richtig. Die ganze Zeit wurde um Liegefläche gekämpft, "Sieger" war meistens der Nachwuchs. Doch auch diese Nacht ging irgendwann zu Ende und beim ersten Blick nach draussen, auf die leicht mit Schnee bedeckten Berge, den traumhaften Wasserfall und nicht zuletzt die Sonne, die wieder mit uns um die Wette lachte, waren die Rückenschmerzen vergessen.

Bei wieder herrlichem Sonnenschein hoppelten wir an der Chilenischen Grenze entlang nach Norden. Unser Ziel war die Laguna Varvarco Tapia. Auf dem Weg dorthin trafen wir unsere ersten Gauchos, die ihre Herden auf den Schotterstrassen entlang treiben. Für die Kinder sowie für uns ein spannendes Schauspiel. Je höher wir kamen desto spektakulärer wurde die Umgebung, bis wir schliesslich unser zweites 1000 Dollar Schlafplätzchen in dieser Woche direkt an der Lagune fanden. Allerdings war es schon spät, also schnell anfeuern, damit wir unser Abendessen zumindest noch im Schein der letzten Sonnenstrahlen zu uns nehmen können, denn nachts sanken die Temperaturen in der Zwischenzeit auf den Gefrierpunkt. Während die Kinder schon schliefen, sassen wir im Dunkeln noch am wärmenden Feuer. Plötzlich hielt ein Pick-up direkt neben uns am Strand. Zunächst dachten wir, es sei ein Ranger, weit gefehlt. Mit dem Kommentar, sie würden immer hier campieren, fuhren sie an uns vorbei und schlugen keine 10 m von uns ihre Zelte auf. Da fehlten uns glatt die Worte. Wo waren wir doch gleich noch einmal? War es Mallorca? An einer Lagune an der man an jeder Ecke sein Zelt aufschlagen kann, suchten die drei Männer sich genau den Platz direkt neben uns aus. Nicht nur die Temperaturen sanken auf einmal auf den Gefrierpunkt. Aber wir hatten Glück. Den nächsten Tag verbrachten unsere Nachbarn mit dem Schlauchboot mit Angeln auf dem Wasser und am Abend packten sie schon wieder ihre Zelte zusammen. Am dritten Tag verabschiedeten auch wir uns von diesem traumhaften Plätzchen und machten uns auf einer nicht oft befahrenen Strasse durch eine abwechslungsreiche Landschaft auf den Weg in Richtung Ruta 40 mit dem Ziel diese nach 240 km schon wieder zu verlassen, um in das Tal mit dem schönen Namen Valle Hermosa zu gelangen. Wir müssen hier nicht mehr schreiben, dass es auch dort wieder eine herrliche Lagune mit einem 1000 Dollar Stellplatz gab oder? Wir lassen diesmal einfach die Bilder sprechen.

Nachdem wir auch diese Lagune ausgiebig genossen hatten, freuten wir uns mal wieder auf wärmere Temperaturen, welche wir in Mendoza fanden. Was wir in dieser Stadt alles erlebt und welchen Weg wir ab dort eingeschlagen haben, dann im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse

Markus und Sonja mit Leandro und Milena

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