Bolivien - Rot, Weiss, Schweiz - 29.04. - 13.05.2019

Rote Felsen, weisses Salz, schweizer Essen

Eigentlich hätte es ein ganz einfacher Grenzübergang werden können. Wenn uns die Grenzbeamten jedoch in die falsche Richtung schicken, dauert es eben etwas länger. Und wenn dann auch noch ein weisser Land Cruiser bereits unter der gleichen Fahrgestellnummer und dem gleichen Kennzeichen gespeichert ist, ist die Verwirrung natürlich gross. Aber auch diese Situation lächelten wir weg und konnten unsere Reise fortsetzen.

Trotzdem hatten wir uns bei diesem Hin-und-Her den Ärger eines wahrscheinlich ehemaligen, in der Zwischenzeit etwas verwirrten, Grenzbeamten mit einer Trillerpfeife zugezogen. Zum xten-Mal befolgten wir partout nicht seinen Anweisungen und fuhren einfach an diesem vorbei. Das war dann zu viel für ihn. Mit der Faust lies er seinen Frust an Nisto aus. Im Nu war Markus ausgestiegen und stellte ihn zur Rede. Auch ein Grenzpolizist war schnell zur Stelle um zu schlichten, so dass der Ärger auf beiden Seiten zügig verflog. Nachdem wir uns auf dem Parkplatz eines Hotels für die nächste Nacht eingerichtet hatten, stellte Markus plötzlich fest, dass seine EC-Karte nicht mehr in seinem Portemonnaie war. Alles Suchen half nichts, sie musste wohl im argentinischen Geldautomaten zurückgeblieben sein. Irgendwie scheint uns in diesen sechs Monaten mehr zu passieren, als in den damaligen drei Jahren.

Unser erstes Ziel war der Canon del Inca mit der Puerto del Diablo in der Nähe von Tupiza. Markus Geburtstag stand vor der Tür und hier fanden wir ein passendes Plätzchen um diesen gebührend mit selbst gebackenem Kuchen und einem feinen Assado am Abend zu feiern. Nach einem erholsamen Tag machten wir uns auf den Weg nach Uyuni, zumindest versuchten wir es, denn kurz nach Tupiza waren die Strassen von Einheimischen blockiert. In Bolivien kommt es nicht selten vor, dass Einheimische ihren Unmut über einen Entscheid der Regierung oder einer ansässigen Firma etc. in Form von Strassenblockaden äussern. Das kann Stunden bis Tage dauern. Dafür hatten wir nun wirklich keine Zeit. Wir waren mit Ines, Kevin und ihren Kindern in Uyuni verabredet. Unser erster Versuch, das Ganze zu umfahren, schlug fehl. Dann versuchen wir es mit unserem Joker. Markus stieg aus und ging mit Milena auf dem Arm zu den Bolivianern, die am Boden sassen. Allgemein sind Südamerikaner äusserst kinderlieb, und so manches Herz kann man mit den Kleinen erweichen. Nach kurzer Zeit kam er wieder. Leider hatte es nicht geklappt, die Steine blieben an Ort und Stelle, aber sie hatten ihm von einer Umfahrung berichtet. Also drehten wir erneut um. Auch diesmal kamen wir nicht weit. Plötzlich überholte uns ein Pick-up mit dem Zeichen ihm zu folgen. Er lotste uns in Richtung Flussbett, welches wir ein ganzes Stück durchquerten, aber auch hier standen Menschen. Allerdings kannte er noch einen Weg und nach einer halben Stunde hatten wir wieder Asphalt unter den Rädern und die Blockade hinter uns gelassen.

Am Nachmittag erreichten wir Uyuni. Bereits vor neun Jahren waren wir hier. Viel hatte sich nicht geändert. Sogar die öffentliche Dusche, die wir seinerzeit beim Wasser tanken, unabsichtlich halb geflutet hatten, existierte noch wie damals. Gemeinsam mit Ines und Kevin planten wir einen Ausflug auf den Salar de Uyuni. Hierbei handelt es sich um eine 160 km lange und 135 km breite Salzpfanne, dessen Salzkruste zwischen zwei und sieben Metern schwankt. Zwischen Dezember und März/April wird der Salar durch Regenfälle überflutet. Wir hatten Anfang Mai und bereits gehört, dass dieser noch nicht ganz wasserfrei sei. Trotzdem wollten wir es versuchen. Nachdem wir den Unterboden mit Altöl zum Schutz vor Korrosion eingesprüht hatten, steuerten wir von Osten den Salzsee an. Kaum waren die Pfützen am Rand durchquert hatten, gaben wir Gas und fuhren zwei Tage kreuz und quer über den Salar, machten einen Ausflug zum Fuss des Vulkan Tunupa im Norden und übernachteten auf einer Insel in Mitten des Salars. Auch wenn wir bereits ein zweites Mal hier waren, ist es doch immer wieder ein Erlebnis und einen weiteren Besuch wert.

Nach dieser gemeinsamen Zeit trennten sich unsere Wege wieder. Für uns hiess es auf nach La Paz, für die anderen Vier auf nach Potosi bzw. Sucre. In der Stadt angekommen steuerten wir das Hotel Oberland an, wo seit Jahren Reisende mit Ihren Wohnmobilen campieren dürfen. Seit einem Jahr ist das Hotel, welches ein Schweizer vor Jahrzehnten errichtet hatte, jedoch verkauft. Trotzdem hat sich noch nicht viel verändert, wie lange das allerdings noch so bleibt, steht in den Sternen. Wir gönnten uns mal wieder ein Käsefondue bzw. Cordon Blue und nahmen die neue Attraktion der Stadt, die Teleférico, unter die Lupe. Mit Unterstützung einer österreichischen Firma hat Evo Morales, der Präsident Boliviens, ein modernes Seilbahn-System errichtet, deren Gondeln Passagiere über die Steilhänge der Stadt mit ihren chronisch verstopften Strassen transportieren. Die Aussicht über die Dächer der Stadt ist spektakulär und für die Kinder sicher ein unvergessliches Erlebnis. Eine eher ungewöhnliche Begegnung hatten wir dann auf dem Artesanien-Markt. Mit unseren Kindern schlenderten wir zwischen den bunten Ständen entlang. In der Zwischenzeit waren wir und die Kinder es gewohnt über die Ausrufe der Bolivianerinnen: "Que lindo, que hermoso, (wie hübsch, wie süss) etc.". Blonde Kinder sind hier eben eine absolute Seltenheit. Eine Verkäuferin reichte den beiden je eine selbst gebastelte Figur. Als wir diese zurückgeben wollten, schaute sie ganz enttäuscht und fragte, ob die beiden diese nicht mögen. Die Kinder blickten uns Hilfe suchend an und Markus zückte bereits das Portemonnaie, doch die Verkäuferin winkte ab und schüttelte den Kopf, es sei ein Geschenk. Wir bedankten uns vielmals und waren wieder einmal überrascht über die Wirkung unserer blonden Kinder.

Nach drei erholsamen Tagen steuerten wir bereits unser letztes Ziel in Bolivien, den höchstgelegenen schiffbaren See der Erde, den Titicacasee, an. Bereits in La Paz hatten wir sehr wechselhaftes Wetter mit teilweise sogar Gewittern, und auch diese Gegend zeigte sich eher von der trüben bis stürmischen Seite. Eigentlich wollten wir hier noch ein zwei schöne Seetage verbringen, aber es schien uns nicht vergönnt. Also machten wir uns eher als geplant auf den Weg zur Grenze nach Peru. Welches grosses Abenteuer wir da erlebt haben, dann im nächsten Bericht.

Bewölkte Grüsse aus dem Reserva Nacional Paracas

Markus und Sonja mit Leandro und Milena

Distanz gefahren: 1485km
Übernachtungen im Nisto: 14 (5 Organisiert, 9 Frei)
Maximale Höhe: 4256müM bei S16 08.739 W69 01.401    
Minimale Höhe: 2861müM bei S21 35.479 W65 34.950
Maximale Geschwindigkeit: 92km/h

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