Argentinien - Hoher Norden - 13.04. - 29.04.2019

Distanz gefahren: 2403km
Übernachtungen im Nisto: 16 (5 Organisiert, 11 Frei)
Maximale Höhe: 4628üM bei S25 40.776 W67 31.017    
Minimale Höhe: 720müM bei S32 48.165 W68 49.905
Maximale Geschwindigkeit: 100km/h (Bergab im Freilauf mit Rückenwind)

Der hohe Norden Argentiniens

Da wir äusserst selten auf Campingplätzen anzutreffen sind, kamen Kinderbekanntschaften in den letzten Wochen zu kurz. Dies sollte sich in Mendoza jedoch ändern.

Ines uns Kevin mit Ihren beiden Kindern Lia und Lennox, hatten mit dem gleichen Frachter Ihren Defender nach Montevideo verschifft. Seid der Auslösung in Uruguay waren wir in Kontakt. Zu einem Treffen war es bis dato jedoch noch nicht gekommen. Aber in Mendoza war es nun endlich soweit. Während die Kinder miteinander spielten, legten wir Erwachsenen die Beine hoch. Nach drei gemeinsam Tagen fuhren wir zusammen zum Monumento Natural Cerro Alcazar bevor sich am nächsten Tag unsere Wege wieder trennten. Das "Digifender-Team", so wurden sie von Leandro und Milena kurzerhand getauft, wollte via Paso del Agua Negra zurück nach Chile. Wir hatten uns jedoch für eine noch nicht so touristisch bekannte Strecke entschieden. Allerdings mussten wir hierfür mal wieder einige Kilometer hinter uns bringen. Nach zwei Tagen auf der Routa 40 mit abwechslungsreicher Landschaft hatten wir unsere Abzweigung erreicht. Bevor wir jedoch unser nächstes kleines Abenteuer wagten, statteten wir den Termas Quebrada de Hualfin einen Besuch ab. Nur durch Zufall waren wir auf dieses kleine Plätzchen gestossen. Es stellte sich heraus, dass es ein echter Glücksgriff war. In einem kleinen gefliesten sauberen Raum mit gemütlichem knietiefen Becken durften wir vier eine halbe Stunde für umgerechnet CHF 1.50 bei 37 Grad baden und planschen. Frisch gewaschen machten wir uns zwei Stunden später auf den Weg unseren Plan, nah an der Chilenischen Grenze über die Anden entlang zu fahren, umzusetzen. Wir bereiteten uns auf alles vor, staunten aber nicht schlecht als uns bis Antofagaste de la Sierra, ein kleines Städtchen irgendwo im nirgendwo, eine gute Teerstrasse begleitete. Die einzige Herausforderung auf diesem Teilabschnitt war die Höhe, die nun dauerhaft rd. 3.500 m.ü.M betrug, teilweise erreichten wir auch schon 4.600 m.ü.M., und die nächtlichen Temperaturen unter Null Grad. Aber die Landschaft liess keine Wünsche offen. Mal campierten wir am Fusse des Vulkans Alumbrera, dann an den kunterbunten Ojos im Salar de Antofalla oder mit Blick auf den einmaligen Cono de Arita, ein 147 m hoher Kegel der aus dem Salar de Arizaro ragt. Die Strasse blieb relativ gut, auch wenn sie nicht mehr geteert und hier und da von Wellblech geprägt war. Dies mag daran liegen, dass wir uns im Minengebiet, in dem nach Gold gesucht wird, bewegten. Daher kam uns nicht selten ein Minenfahrzeug entgegen. Gerne hätten wir hier und da einen Tag Pause eingelegt, aber der Wind und die Kälte trieb uns voran, zu den kristallblauen Ojos del Mar, vorbei am Salar del Diablo, die siete curvas hinunter zum Desierto del Diablo und über den Salar Pocitos. Bis wir in dem kleine Dorf San Antonio de los Cobres ankamen. Hier machten wir uns als erstes auf die Suche nach einer Bleibe, genauer gesagt nach einer Dusche, diese war nämlich schon seit einigen Tagen überfällig. Da es keinen Campingplatz gab, steuerten wir, ein Hotel an. Ausgebucht. Na dann ein Hostel: Ausgebucht. Und als Markus die dritte in Frage kommende Bleibe betrat, wurde ihm nur noch zugerufen: Ob er reserviert hätte? Was war hier nur los? Wir machten uns auf den Weg zu der einzigen Tankstelle und da sahen wir den Grund: Rallyewagen. Wie wir später in Erfahrung brachten, fand aktuell eine französische Rallye-Charity-Veranstalltung in dieser Gegend statt. Na gut, wir fanden uns damit ab, dass wir auch am heutigen Tage keine Seife sehen würden. Für die letzten Kilometer bis zur Bolivianischen Grenze wollten wir aber noch ein zwei Sachen einkaufen. Wir kurvten kreuz und quer durch die Stadt, aber nicht ein Metzger, Bäcker, Tante-Emma-Laden geschweige denn Kiosk war geöffnet. *Godfriedstutz*, waren heute alle gegen uns. Nachdem wir gefühlte hundertmal durch jede noch so kleine Gasse gefahren waren und uns die Anwohner in der Zwischenzeit alle kannten, holten wir uns in der Touristen Information Hilfe. Sie nannten uns zwei Läden: Einfach anklopfen, die machen dann schon auf. Das erste Geschäft fanden wir erst gar nicht und beim Zweiten blieb die Tür trotz mehrmaligen Klopfen für uns geschlossen. In der Zwischenzeit ging Sonja unsere Vorräte im Kopf durch: Wenn nichts aussergewöhnliches passiert, und sie noch ein Brot backen würde, sollten wir es bis zur Grenzstadt La Quiaca schaffen. Nicht optimal, wenn man mit zwei Kindern auf Reserve leben muss. Aber was sollten wir tun. Wir entschieden uns für eine letzte Runde durch die kleine Stadt. Plötzlich rief Sonja laut "Stoooooooop, da hat etwas geöffnet". (Ein Schild mit der Aufschrift "Abierto" - offen - prangte an der Tür). Daraufhin Markus: "Was ist es denn für ein Geschäft!" "Keine Ahnung, aber es hat offen." Und tatsächlich hatten wir Glück, Markus kam mit zwei Sachen von unserer Einkaufsliste wieder zurück. Und wie durch ein Wunder öffneten sich auf einmal sämtlich Läden, so dass wir mit gutem Gewissen unsere letzte Etappe durch Argentinien starten konnten.

Es gab zwei Routen, die uns ausser nach Norden möglicherweise zu einer Dusche führen würden. Da wir eine davon schon vor rd. 9 Jahren gefahren waren und diese deutlich länger dauern würde, entschieden wir uns für die schnellere parallel Verlaufende. Mit Blick auf die uns begleitende Landschaft auch keine schlechte Wahl. Nach circa der Hälfte der Strecke waren sich auf einmal GPS und Tablet über die weitere Richtung nicht mehr einig. Die Zweibeiner entschieden sich natürlich für die kürzere Strecke und schon standen wir in einem ausgetrocknetem Flussbett und folgten einer Autospur durch eine Quebrada eines uns unbekannten Flusses. Die Nisto-Insassen wurden mal wieder so richtig durchgeschüttelt, aber die Landschaft entschädigte uns völlig. Doch plötzlich verschwanden die Spuren in mitten eines Geröllhaufens und auch die Suche blieb vergebens. Das hiess alles wieder zurück.

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann das Roadhouse in der Nähe von Susques, in dem wir hofften unsere ersehnte Dusche zu ergattern. Schon in der Ferne erkannten wir die ersten Rallye-Wagen aus San Antonio de los Cobres wieder. Oh nein, das ist doch nicht möglich. Aber dem war so: Keine Dusche ohne Zimmer und die waren natürlich alle ausgebucht. Unverrichteter Dinge aber den Magen gefüllt mit einem Argentinischen Steak nahmen wir ab hier unsere letzte Etappe der Routa 40 unter die Räder. Die meiste Zeit begleiteten uns unwirkliche Gesteinsformationen, welche immer wieder die Farben wechselten. Und da bekanntlich alle guten Dinge drei sind klappte es endlich mit der Dusche. Rd. 5.6 km nach dem kleinen Dorf Coranzuli, in dem wir Streichhölzer als Reserve ergatterten, da am frühen morgen sowohl der Piezozünder am Gasherd als auch das Stabfeuerzeug ihre Arbeit verweigerten - wer Markus kennt, weiss dass das kein guter Start in den Tag geben kann: Kein Feuer, kein Kaffee - stiessen wir auf eine heisse Quelle in einem kleinen Häuschen. Im Vergleich zu unseren ersten Heissen Thermen etwas rustikaler, aber das war uns in diesem Moment egal. Nach einer halben Stunde glänzte das N-Team wieder und die Fahrt konnte weiter gehen. Vorbei am Valle de la Luna, welches wir auf Grund der roten Farbe kurzerhand in Valle de la Mars umtauften, sowie 11 km durch die beeindruckende Quebrada de Paicone.

Nach 9 Tagen erreichten wir kurz nach dem Mittag die Grenzstadt La Quiaca. Eigentlich wollten wir noch eine Nacht hier verbringen und erst am nächsten Morgen über die Grenze nach Bolivien fahren. Aber nachdem wir uns den Camping Municipal und den Rest der doch sehr ärmlich wirkenden Stadt angeschaut hatten, meinte Sonja bei einem leckeren Argentinischen Steak: "Ich glaube, es wäre ein Fehler hier zu bleiben!" Also noch schnell Argentinische Pesos am Geldautomaten organisiert, denn die Tankstelle nahm keine Karten, dann gings auf nach Bolivien. Wie wir unsere zweite Grenze auf dieser Reise gemeistert und was wir wichtiges in Argentinien vergessen haben, dann im nächsten Bericht.

Sonnige Grüsse aus La Paz

Markus und Sonja mit Leandor und Milena

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